Das erneute Hochwasser in Süddeutschland macht deutlich: Der Klimawandel ist im Alltag angekommen. Doch was bedeutet das für die Vorsorge? «Insgesamt ist Deutschland ganz gut aufgestellt», bilanziert der Hochwasserexperte Holger Schüttrumpf. Die Maßnahmen seien auf dem Weg, es tue sich viel. Das Thema sei insgesamt sehr komplex, weil unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Als Beispiele nennt er Landwirte, die ihre Flächen nicht als Überschwemmungsräume zur Verfügung stellen wollten. Oder Menschen, die es ablehnten, hohe Mauern vor der Tür zu haben. Auch die Aufmerksamkeit sei schwankend, sagt Schüttrumpf. «Wenn wieder alles überflutet wird, dann schreien alle nach bestem Hochwasserschutz. In Zeiten, in denen die Sonne scheint, ist das Thema wieder nicht so prioritär.»

Und so kommt es, dass es insgesamt zwar gut, aber schleppend vorangeht. Schüttrumpf verweist hier auf das Nationale Hochwasserschutzprogramm, das Bund und Länder 2013 gemeinsam aufgelegt hatten. Innerhalb von zehn Jahren seien nur 9 von 168 vereinbarten Maßnahmen umgesetzt worden, sagt der Uniprofessor aus Aachen. Das sei der Stand im Mai 2023 gewesen.

«Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit.» Zu lange Planungs- und Genehmigungszeiten würden wichtige Maßnahmen wie Hochwasser-Rückhaltebecken und Deichrückverlegungen bremsen, sagt der Experte. Das Bundesumweltministerium von Steffi Lemke (Grüne) verspricht hier Besserung. Im neuen Hochwasserschutzgesetz, an dem die Bundesregierung derzeit in Kooperation mit den Ländern arbeite, sollen auch Vorschläge zur Beschleunigung der Verfahren enthalten sein, teilt das Ministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.